"sich"-tum
(teil 1 nach daniel glattauer im standard)

wir austrianer sind im sprachbesitz eines gar phänomenalen wörtchens, das uns den wind noch aus den segeln nimmt, wenn das boot längst auf sand gelaufen ist. wir haben die qualität des jederzeit möglichen rückzugs auf den rückbezug. wir haben: "sich". kombinieren wir es mit "es", dann schaffen wir uns damit überhaupt jedwede verantwortlichkeit vom hals.
kommen wir zu spät, dann ist es sich eben nicht mehr ausgegangen. scheuen wir einen aufwand, dann zahlt es sich nicht aus. wollen wir uns nicht anstrengen, so lässt es sich nicht erzwingen. haben wir keine ahnung, wie es sich entwickelt, dann wird es sich schon weisen. können wir ein problem nicht lösen, dann löst es sich von selbst. und löst es sich nicht, dann hat es sich einfach nicht ergeben. "es" gehört unweigerlich "sich", und sträubt es sich, dann gehört es sich nicht. wir halten uns da gerne raus. 

"sich"-tum
(teil 2 nach daniel glattauer im standard)

 "es ist sich nicht ausgegangen."

österreichischer geht es nicht. jedes wort stützt und schützt das sprachkulturerbe der heimischen mentalität, die auch börsencrashes und andere weltuntergänge schadlos übersteht.

1) ES. weder er noch sie, schon gar nicht man selbst. "es" ist eine übergeordnete instanz, ein abgesandter des hiesigen schicksals.

2) ES IST. da klingt bereits die von außen gelenkte höhere gewalt durch. der deutsche hätte die verantwortung übernommen und selbstzerfleischend "ich habe" gesagt.

3) ES IST SICH. wenn sich etwas außerhalb unseres einflussbereiches auch noch auf sich selbst bezieht, dann ist der kreis geschlossen - und wir haben damit also wirklich absolut nichts, rein gar nichts zu tun.

4) ES IST SICH NICHT. "nicht" war zu erwarten.

5) AUSGEGANGEN. wenn der deutsche geht, dann läuft er, wenn er läuft, dann rennt er, und wenn er rennt, dann joggt er. wenn dem deutschen die zeit davon läuft, ist er - selber schuld und sehr zerknirscht. wenn der österreicher die zeit ziehen lässt, dann mit reinem gewissen, gesundem magen und aus gutem grund. dann ist es sich halt nicht ausgegangen.

"sich"-tum
(teil 3 nach daniel glattauer im standard)

"sich festzuhalten"

straßenbahnwaggons in wien werden mit folgendem warntafel-duo behübscht.

1) "Achtung Auftritte frei halten."  was heißt das? ein auftritt kann höchstens verschoben, abgesagt, aber niemals frei gehalten werden, denn der auftritt ist die tätigkeit selbst und niemals dessen ort ( der hieße eventuell trittbrett oder so...)

2) "Bitte sich festzuhalten." ein wahrlich waghalsiges unterfangen. wenigstens ist damit endlich erklärt, was es mit den ernsten, verbissenen gesichtern der wiener fahrgäste auf sich hat: die sind verzweifelt bemüht, festen halt an sich zu finden.

3) "Rückwärts aussteigen." wie soll man sich diesem gebot gemäß dem ausgang nähern? wörtlich genommen wohl mit dem rücken zum ausgang. und dabei immer artig den fahrer anschauen.

4) "Fahrscheine bitte entwerten." wenn man den fahrschein tatsächlich entwertet, dann ist er danach nichts mehr wert und somit ungültig, oder?

5) "Können sie sich ausweisen?" muss man das jetzt selber machen?


die frage "was sind zwei drittel" und ihre erstaunlichen antworten


der lagerhaus-reggae (mike supancic) lagerhaus.mp3
der kebab-song (von blues-brauser) kebab.mp3